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Die Woche; Autor: Helmut Ziegler
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"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigem Schlaf erwachte, fand er
sich
in seinem Bett zu einem ungeheuren Kartoffelkäfer verwandelt." Dieser
geplante Titel war für das 30 mal 40 cm große Bild zu lang und hatte auf
der
Leinwand keinen Platz. Deshalb kürzte der in Hamburg und Berlin lebende
Künstler 4 0 0 0 das leicht verfremdete Zitat aus Kafkas Erzählung "die
Verwandlung" ab: Das Gemälde, welches in kräftigem Braun ein Kriechtier
zeigt, heißt nun schlicht "Hallo!"
Der Pragmatismus, der aus dieser Titelgebung spricht, zieht sich durch
das
gesamte Werk des Künstlers, und Teil dieses Pragmatismus' ist auch seine
Preispolitik: Seine Kunst soll von denen gekauft werden können, die sie
anspricht, also hauptsächlich von jüngeren Menschen, die sich zwar für
Kunst
begeistern, deren finanzieller Rahmen oft aber noch beschränkt ist.
Daß er auf diese Art bisher für mehr als 3500 Werke Kunden gefunden hat,
gibt immer wieder Anlaß zu dem Vorwurf, 4 0 0 0 betreibe einen
"Ausverkauf
der Kunst". Diese Kritik beeindruckt ihn kaum: "Der traditionelle
Kunstbegriff existiert schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Nur die, die
über
Kunst schreiben und mit ihr handeln, halten nach wie vor an ihm fest, da
sie
sonst ihre Definitionsmacht bzw. ihr Handelsmonopol verlieren würden."
Seine eigenen Definitionen hat sich der Künstler in einer Serie von
"Kunst
ist..."-Zeichnungen erarbeitet. Motiven der "Liebe ist.."-Strips in
Tageszeitungen folgend, stehen über einer nackten Frau und einem nackten
Mann Sätze wie "Kunst ist ein Geschäft", "Kunst ist, wie Blumen von
oben"
oder "Kunst ist ein ganz normales Problem".
Die ironische Differenz zwischen Abgebildetem und Bildtitel verweist auf
Albert Oehlen (programmatischer Ausstellungstitel: "Rechts blinken,
links
abbiegen"), neben Jeff Koons eines der Vorbilder von 4 0 0 0. Daß die
Zeitschrift Cosmopolitan ihn auch schon mal als "Kippenberger für Arme"
betitelte, faßt der Künstler denn auch als Kompliment auf.
Auch sonst scheut der gebürtige Heilbronner weder die Hetzjagd auf die
Kunstgeschichte noch die Berührung mit vermeintlich "trivialen" oder
"profanen" Themen: Klassische Stilleben oder die heroische Pose der
DDR-Staatskunst stehen neben zerstörungsfrohen Dekonstruktionen
bekannter
Firmenlogos oder abstrakten Farbexperimenten mit Titeln wie "Betrunkener
Mann mit EC-Karte".
Wiederholungsekel kennt der Künstler dabei nicht. Gegebenenfalls malt er
auf
Anfrage von Sammlern ein Bild sogar gleich mehrfach.
Oder er läßt malen – wie vor ihm Michelangelo, Rembrandt oder Andy
Warhol.
Was Traditionalisten als Frevel erscheinen mag, hat für 4 0 0 0
handfeste
Gründe: "Künstler zu sein, ist im Durchschnitt gesehen der unergiebigste
Beruf der Welt. Wenn er in Lohnlisten auftauchen würde, käme er noch
hinter
dem Straßenfeger."
Seine Einkünfte investiert der Künstler ohnehin sofort wieder in die
Kunst,
in Hamburg finanziert er beispielsweise mit zwei anderen Künstlern einen
Ausstellungsraum, deren Vernissagen regelmäßig in exzessive Partys
ausarten.
Der Künstlername 4 0 0 0 entstand übrigens nach dem Umzug in die
Hansestadt.
1990 tauschte der Künstler seinen bürgerlichen Namen gegen das
Markenzeichen.
Nicht nur bei seinem Namen erweist sich 4 0 0 0 als "strenger
Konzeptionalist" (Süddeutsche Zeitung). Seit er in einem Imbiß in St.
Pauli
eine kleine Werbe-Illustration einer Kartoffelmarke entdeckte, bevölkert
die
von 4 0 0 0 so getaufte "Kartoffelfamilie" in Acryl oder Öl seine
Leinwände:
Ein streng durch seine Rundbrille blickender Kartoffelvater, eine
liebevolle Kartoffelmutter und ein Kartoffelkind tauchen unter
wechselnden
Titeln immer wieder auf.
"Die Kartoffelfamilie und die moderne Kunst verstehen sich gut" heißt
etwa
jenes Bild, auf dem eine rot untergehende Sonne wie nebenbei Motive des
russischen Konstruktivismus und japanische Kamikaze-Symbole streift, um
sie
dann mit einem schadenfrohen Lachen als erledigt liegen zu lassen.
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